Ein Haushaltsbuch zu führen ist sinnvoll, wenn man Geld sparen möchte, oder einen Überblick über die eigenen Ausgaben haben mag. Dabei muss man zunächst Ausgaben-Kategorien anlegen, in die alle typischen und möglichen Ausgaben sortierbar sind. Da im Alltag unendlich viele mögliche Ausgaben im Leben denkbar sind, kann das Klassifizieren schwierig sein.

Bevor man selbst ein System entwirft, sollte man daher auf die bereits bestehenden Systeme blicken. Man lernt schließlich auch bevor man lehrt. So kann man auf bereits gemachten Erfahrungen aufbauen.

klassische Haushaltsbuchkategorien

Für Einnahmen und Ausgaben schlägt beispielsweise der Focus folgende Kategorien vor (hier wäre jede andere Ratgeberseite ebenso denkbar gewesen):
Einnahmen: Lohn & Gehalt, Förderungen (staatlichen und familiären Unterstützungen), Weitere Einnahmen
Ausgaben: Wohnraum, Haushaltsmittel, Versicherungen, Transport, Finanzierungen, Beruf/Ausbildung, Freizeit, Sonstiges

Zwei Probleme gibt es dabei allerdings. Zum einen gibt es für alle Kategorien zu wenige Beispiele. Und zum anderen sind die Kategorien nicht immer intuitiv und kohärent. Klassifizierungen sind nur so hilfreich, wie sie auch klar sind. Je mehr Beispiele es gibt, je mehr mit dieser Systematik schon gearbeitet wurde, desto hilfreicher sind sie. Wenn bei einzelnen Ausgaben vor dem Eintragen in das Haushaltsbuch (idealerweise eine Excel-Tabelle) jedes Mal wieder Unklarheit besteht, ist eine solche Klassifizierung wertlos.

Einige Fragen dieser Klassifizierung sind auch in guten nie ganz lösbar. Es gibt allerdings eine bessere, ausgereiftere Lösung als die üblichen Vorschläge für Haushaltsbücher.

Klassifizierung privater Konsumausgaben durch Statistikbehörden

Jedes Landesamt für Statistik wertet jährlich nach einem festen Schema aus, wohin das Geld der Bürger geht. Diese Behörden haben einheitliche Systeme entwickelt, die sie für jede erdenkliche Ausgabe schon getestet haben, – jahrelang und in ganz Europa.

Hier beispielsweise aus dem bereits auf Affenspaß hier vorgestellten Bericht „O II – 5j/13“ des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen: O_II_5_5j_13_SN

  1. Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren u. Ä.
    • bspw.: Drogen, Bier, Milch
    • nicht: Essen im Restaurant, am Imbissstand oder einer Mensa/Kantine
  2. Bekleidung und Schuhe
    • bspw.: Strümpfe, Sportkleidung, Waschen, Reinigung, Schuhcreme
    • nicht: Windeln, orthopädische Einlagen
  3. Wohnen, Energie, Wohnungsinstandhaltung
    • bspw.: Miete, Müllabfuhr, Strom, Heizöl, Ausgaben für Handwerker
  4. Innenausstattung, Haushaltsgeräte, -gegenstände
    • bspw.:Mobiliar, Teppiche, Kühlschränke, Kaffeemaschinen, Kerzenständer, Werkzeuge, Ausgaben für Reparaturen von Haushaltsgroßgeräten, Mülltüten, Löhne für Haushaltspersonal, Waschpulver, Kinderbetreuung durch Privatpersonen, Putz- und Reinigungsmittel
    • nicht: Verpflegungskosten der Kinder
  5. Gesundheitspflege
    • bspw.: Hörgeräte, Kondome, Wärmflaschen, Medikamente, orthopädische Schuhe, Praxisgebühren, Krankengymnastik, Heilpraktiker, Homöopathie
    • nicht: Medikamente für Tiere, Pflegeheim
  6. Verkehr
    • bspw.: Kauf eines Pkw, Pferdekutsche, Fahrräder, Ersatzteile für Pkw/Motorräder/usw., Kraftstoffe, Pflegemittel/Wartung für Verkehrmittel, Parkgebühren, TÜV, Gebühren in der Personenbeförderung (Bahn, Flugzeug, Tram, Schifffahrt)
    • nicht: Kauf eines Wohnwagens (Freizeitfahrzeug), Sessellift im Skigebiet
  7. Post und Telekommunikation
    • bspw.: Kauf und Reparatur von Telefonen und anderen Kommunikationsgeräten, Postgebühren, Versandkosten, Internet-Flatrate
  8. Freizeit, Unterhaltung und Kultur
    • bspw.: Geräte für Empfang, Wiedergabe und Aufnahme von Ton oder Video, Kameras, Computer, Tablet-PCs, Drucker, DVDs, Sportartikel, Spielzeug, Musikinstrumente, Haustiere und Haustierbedarf, Hobbys, Zeitungen, Bücher, Bastelmaterial, Töpferton, Pauschalreisen, sonstige Verbrauchsgüter (für Bildung (Stifte, Blöcke etc.), Unterhaltung, Freizeit)
  9. Bildungswesen
    • bspw.: Nachhilfeunterricht, Studiengebühren, Erste-Hilfe-Kurs, Kinderbetreuung im Kindergarten
  10. Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen
    • bspw.: Speisen und Getränke im Restaurant, Straßenverkauf, Lieferservice, Übernachtungen, Internatskosten
  11. Andere Waren und Dienstleistungen
    • bspw.:  Dienstleistungen der Prostitution, Körperpflegeartikel, Schmuck, Uhren, Reiseartikel, Grabsteine, Babyartikel, Piercing, Tatoos, Zahnpflegeprodukte, Pflegeheim, Versicherungen, Spenden, Gerichtskosten

Vorteile dieser Privatkonsum-Kategorien

Im Bericht über die privaten Konsumausgaben des Statistischen Landesamtes (bspw.: O_II_5_5j_13_SN) gibt es am Ende einen langen Katalog von Konsumausgaben für Produkte und Dienstleistungen. Wenn man sich im eigenen Haushaltsbuch an diese Systematik hält, kann man praktisch immer seine Ausgaben einer Kategorie zuordnen.

Außerdem kann man mit diesen Berichten von Statistischen Landesämtern die eigenen Ausgaben mit den durchschnittlichen Ausgaben von Menschen in diesem Land vergleichen.

Probleme dieser Privatkonsum-Kategorien

Geld: wohin vs. wofür

Wie jede Klassifizierung hat auch diese einige Probleme. Ein Problem ist, dass es den Statistischen Landesämtern darum geht, wohin das Geld geht, d.h. in welche Branche. Wofür das Produkt oder die Dienstleistung gekauft bzw. konsumiert wird, ist denen egal. Für die staatliche Statistik ist diese Herangehensweise richtig. Doch könnte man etwa daran interessiert sein, ob eine Ausgabe in der Freizeitbranche ein Geschenk oder direkt für einen selbst war.

Nicht hilfreiche Kategorien

Warum sind Körperpflegeartikel, wie Zahnpflegeartikel, Ausgaben für Andere Waren und Dienstleistungen und nicht Ausgaben für Gesundheit? Weil diese zwar aus Verbrauchersicht der Gesundheit dienen, aber aus volkswirtschaftlicher bzw. staatlicher Perspektive nicht aus der Gesundheitsbranche kommen. Warum ist Zahnpasta nicht Gesundheit, aber die Antibabypille schon? Das eine scheint unbedingt an jedem Tag zur Gesundheit notwendig zu sein, und das andere nicht unbedingt zu jeder Lebensphase – und auch nicht direkt zum Schutz der Gesundheit.

Ebenso verhält es sich auch mit den Ausgaben fürs Bildungswesen: Entgelte für Nachhilfeunterricht oder Gebühren für Kurse gehören dazu, aber nicht Ausgaben für Bücher zur Weiterbildung. Nicht jedes Buch ist Bildung, aber aus Konsumentensicht gehört zur Bildung auch ab und zu ein Buch.

Die Kategorie Freizeit und Unterhaltung ist viel zu groß für die Nutzung im Haushaltsbuch. Ausgaben für Unterhaltungstechnik, Bücher und Datenverarbeitungsgeräte will man vielleicht differenzierter betrachten.

Fehlende Beispiele

Vitaminpräparate gehören zur Gesundheit. Aber wie verhält es sich mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln? Sind sie Ernährung oder Gesundheit?

Inkohärente Klassierungen

Einige Privatausgaben werden in dieser Klassifizierung inkohärent klassiert:

Geldstrafen für Verkehrsvergehen sind sonstige Ausgaben, obwohl sie auch aus der Wahl der Verkehrsmittel und dem Umgang mit ihnen entspringen. Wenn man zu schnell fährt, sind Strafzahlungen aus Sicht des Privatmenschen dem Verkehr zugehörige Ausgaben, die aus der Verkehrsmittelwahl resultieren.

Warum sind Dienstleistungen der Prostitution Ausgaben für Andere Waren und Dienstleistungen, und nicht Freizeit, Unterhaltung und Kultur? Sicherlich sollte man Ausgaben für Bücher nicht mit Ausgaben für Sexarbeit gleichsetzen, aber wenn es nur die eine Freizeit-Kategorie gibt, warum gehört nicht beides gleichermaßen dazu?

Ausgaben für Blumen und Gärten gelten als Freizeitausgaben. Warum werden diese nicht wie Gebrauchsgüter für die Haushaltsführung behandelt? Gartenpflege muss kein Hobby sein, es kann sich auch ähnlich dem Badputzen um eine lästige Notwendigkeit handeln. Aus staatlicher Perspektive ist das wieder sinnvoll, aber nicht aus jeder privaten Perspektive.

Warum ist Sportbekleidung (bspw. für Reiter) keine Hobby-Ausgabe? In dieser Klassifizierung gilt sie als Bekleidung.

Auch ist für die private Perspektive schwierig, dass Inlands- und Auslandspauschalreisen nicht Ausgaben für Beherbergung und Gaststätten sind, sondern Freizeitausgaben. Einfache Hotelübernachtungen sind keine Freizeit, und Pauschalreisen sind anscheinend keine Beherbergungsausgaben.

Lösung: staatliche Klassifizierung übernehmen, leicht anpassen

Der Zweck der hier vorgestellten staatlich Klassifizierung für private Konsumausgaben ist natürlich nicht ein Hausbuch gewesen. Dennoch ist diese Klassifizierung möglicherweise die beste, um die eigenen Konsumausgaben sinnvoll und konsistent zu gliedern. Für die Einnahmen, derer es deutlich weniger verschiedene gibt, kann man sich problemlos an Vorlagen wie die obige von Focus halten.

Was bspw. differenzierte Freizeitausgaben angeht, so muss man sich nicht einfach an die groben Kategorien der Statistischen Landesämter halten, sondern kann deren feinere Unterkategorien (siehe: O_II_5_5j_13_SN) übernehmen, ohne dabei inkompatibel zu werden. Der Übersichtlichkeit wegen sollte man allerdings nicht wesentlich mehr als die oben genannten 11 Hauptkategorien nutzen.

Falls man Geschenke einordnen mag, muss man dabei gewissermaßen Ausgaben aller Hauptkategorien unterschlagen, da Geschenkausgaben in alle Branchen gehen könnten, z.B. Einrichtungsgegenstände, Bücher oder sonstiges. Eine Geschenke-Kategorie ist notwendigerweise inkompatibel.


Artikelbild: Ausschnitt aus Bild von Bundesarchiv, Bild 183-2005-0807-506 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5348598

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