Schopenhauer, Dumbledore, Gandalf und Yoda: Der Tod ist kein Übel

geschrieben von HomoSapiens

Arthur Schopenhauer wird immer wieder als Pessimist bezeichnet. Der Deutschlandfunk machte aus ihm beispielsweise einen „zähen Pessimisten“ und auch die Frankfurter Rundschau schrieb über den „Grantler“, der „Griesgrämiges“ zu sagen hätte. Und als Beleg dafür gibt es selbstverständlich unzählige Anekdoten und noch mehr Stellen in seinen Werken. Ein (ganz) kurzer Blick in die kommerziell erfolgreiche Gegenwartskultur zeigt aber, dass Schopenhauer mit wenigstens einer zentralen Aussage nicht alleine dasteht: Der Tod ist kein Übel.

Leben ist Leiden

Schopenhauer ist natürlich bekannt dafür, dass er das Leben zu einem Leiden erklärt hat. Für ihn gehören Leben und Leiden grundsätzlich zusammen:

„Da aber der Schmerz dem Leben wesentlich ist […]“ (Deu-I:374)

Und die Ursache dieses Leidens sind wir selbst:

„Meistens aber verschließen wir uns der, einer bittern Arzenei zu vergleichenden Erkenntniß, daß das Leiden dem Leben wesentlich ist und daher nicht von außen auf uns einströmt, sondern Jeder die unversiegbare Quelle desselben in seinem eigenen Innern herumträgt.“ (Deu-I:375)

Wenn in den Harry Potter Büchern oder Filmen der Mentor des Protagonisten, Albus Dumbledore, Folgendes sagt, ist er Arthur Schopenhauer sehr nahe:

„Do not pity the dead, Harry. Pity the living […].“ (Harry Potter and the Deathly Hallows)

Mitleid soll man für die Lebenden aufbringen, nicht für die Toten (wohl aber für die Sterbenden). Nur wer lebt, leidet, da nämlich, wie Epikur meinte, der Tod uns nichts angeht, weil er da ist, wenn wir nicht da sind, und wir da sind, wenn er nicht da ist.

Auch in den Star Wars Filmen und Büchern findet sich ein Mentor, der über den Tod nicht nur nichts Negatives zu sagen hat, sondern noch meint, man solle sich für die Toten (oder gar Sterbenden?!) freuen! Auch erwähnt Yoda die Gefahren, die die Lebenden zu erleiden haben. Yoda sagt:

“Death is a natural part of life. Rejoice for those around you who transform into the Force. Mourn them do not. Miss them do not. Attachment leads to jealously. The shadow of greed, that is.” (Star Wars III – Revenge of the Sith)

Also: Wir sollen uns für die Sterbenden freuen und die Lebenden bemitleiden.

Der Tod als Reise

Mit Yodas Transformation in die Macht geht es weiter: Was kommt nach dem Tod? Ist der Tod schlimm? Die Stimme Gandalfs (des Grauen), der gestorben ist und dann optisch wie geistig erhellt wiederkehrt, spricht davon, dass der Tod nichts weiter sei als eine Fortsetzung der Reise:

„End? No, the journey doesn’t end here. Death is just another path, one that we all must take. The grey rain-curtain of this world rolls back, and all turns to silver glass, and then you see it.“ (The Lord of the Rings)

Ebenso Dumbledore:

„To the well organised mind, death is but the next great adventure.“ (Harry Potter and the Philosopher’s Stone)

Schopenhauer ist bezüglich des Todes etwas vorsichtiger, und dazu sicherlich, wenigstens aus philosophischer Sicht, hier mehr zu gebrauchen:

„Der Selbstmord kann auch angesehn werden als ein Experiment, eine Frage, die man der Natur stellt und die Antwort darauf erzwingen will: nämlich, welche Aenderung das Daseyn und die Erkenntniß des Menschen durch den Tod erfahre. Aber es ist ein ungeschicktes: denn es hebt die Identität des Bewußtseyns, welches die Antwort zu vernehmen hätte, auf.“ (Deu-V:337)

(Mehr zu Schopenhauers Einstellung zum Tod findet sich im Artikel zum Pessimismus und Suizid.)

Fazit

Yoda, Dumbledore, Gandalf und Schopenhauer sind sich (zumindest dieser kurzen Darstellung nach) einig, was die Bedeutung des Todes angeht: Er ist kein Übel. Eher ist das Leben ein Übel.

Wenn man sich nun fragt, wieso Schopenhauer alleine der graue Pessimist ist, während Yoda & Co. trotz gleicher Aussagen nicht pessimistisch dastehen, so liegt dies vielleicht an der Verpackung: Schopenhauer muss man lesen, er ist daher nicht so konsumfreundlich, und darüberhinaus hat er auch kein farbenfrohes Happy End.

(Natürlich haben auch auch die anderen hier zitierten Figuren einen Tod zu sterben, aber er fügt sich in eine Happy-End-Geschichte ein. Und eigentlich ist Yoda nach seinem Tod nicht tot und auch Gandalf darf oder muss noch einmal weiterleben … )

Artikelbild: bearbeitete Eigenkreation Affenspaß aus Dumbledore (By Source, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=12409513), Schopenhauer (Von Jacob Seib - Eberhard Mayer-Wegelin, Frühe Photographie in Frankfurt am Main 1839-1870, 1982, Nr. 10., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27717817), Gandalf (By Source, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=22187302) und Yoda (Von GPS from San Francisco, USA - Yoda, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65439333)
Literatur: Schopenhauer wird nach der Deußen-Gesamtausgabe zitiert. Die römische Zahl steht für den Band, die arabische für die Seitenzahl.

1 thought on “Schopenhauer, Dumbledore, Gandalf und Yoda: Der Tod ist kein Übel

  1. HomoSapiens says:

    Nietzsche: „Über das Leben haben zu allen Zeiten die Weisesten gleich geurtheilt: es taugt nichts … Immer und überall hat man aus ihrem Munde denselben Klang gehört, – einen Klang voll Zweifel, voll Schwermuth, voll Müdigkeit am Leben, voll Widerstand gegen das Leben. Selbst Sokrates sagte, als er starb: »leben – das heisst lange krank sein: ich bin dem Heilande Asklepios einen Hahn schuldig.« Selbst Sokrates hatte es satt. – Was beweist das? Worauf weist das? – Ehemals hätte man gesagt (- oh man hat es gesagt und laut genug und unsre Pessimisten voran!): »Hier muss jedenfalls Etwas wahr sein! Der consensus sapientium beweist die Wahrheit.« – Werden wir heute noch so reden? dürfen wir das? »Hier muss jedenfalls Etwas krank sein« – geben wir zur Antwort: diese Weisesten aller Zeiten, man sollte sie sich erst aus der Nähe ansehn! Waren sie vielleicht allesammt auf den Beinen nicht mehr fest? spät? wackelig? décadents? Erschiene die Weisheit vielleicht auf Erden als Rabe, den ein kleiner Geruch von Aas begeistert?“ (KSA06:67)

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