Wo muss man was studieren, um in Deutschland politische Macht zu erringen? Gibt es in Deutschland einen Ort, an dem die politische Elite des Landes rekrutiert wird? Ist eine einzige Uni-Stadt in Deutschland die Fahrkarte ins Kanzleramt? Welche Studienfächer machen Bundeskanzler und Bundespräsidenten aus?

Bei einer Betrachtung aller Bundeskanzler und Bundespräsidenten und deren akademischen Stationen soll untersucht werden, ob es einen richtigen Ort und ein richtiges Fach für zwei der höchsten drei politischen Ämtern Deutschlands gibt. Protokollarisch steht der Bundestagspräsident zwar an zweiter Stelle, doch in der öffentlichen Wahrnehmung existiert dieser kaum. Daher sind Bundeskanzler und Bundespräsidenten im Fokus.

das richtige Studienfach

Eine Physikerin und ein Theologe bekleiden die höchsten Ämter Deutschlands derzeit. Doch weder Physik noch Theologie sind prädestiniert für hohe Staatsämter. In der Regel findet man unter Mitgliedern der Bundesregierung etwa ein Viertel Juristen. Auch im Bundestag findet man lauter Rechtswissenschaftler (mind. 40%). Doch ist dies auch das Studienfach der Kanzler und Präsidenten?

Um es kurz zu machen: 4 von 8 Bundeskanzler hatten Rechtswissenschaften studiert. Unter den Bundeskanzlern gibt es wenige exotische Ausnahmen: Der Vater des deutschen Wirtschaftswunders, der in Fürth geborene Ludwig Erhardt, hatte natürlich Wirtschaftswissenschaften studiert, was im Übrigen das zweitbeliebteste Studienfach der Politker ist. Dann findet man unter den Kanzlern noch den Herrn Frahm, der nicht studieren konnte, und unter seinem Kampfnamen „Willy Brandt“ der vierte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland wurde. Natürlich ist auch die derzeitige Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Physik eine Ausnahme unter den Juristen. Ansonsten ist unter den deutschen Regierungschefs noch hin und wieder ein Nebenfach zu finden: mal Pädagogik wie Kiesinger oder Geschichte wie Kohl.

Bei den Bundespräsidenten sieht es ähnlich aus: 5 von 11 Bundespräsidenten hatten Jura studiert. Ausnahmen sind Köhler mit Wirtschaft (was ihn zum IWF geholfen hatte), Lübke mit Geowissenschaften, Heuss mit Wirtschaft, Geschichte und einigen anderen Fächern, und dann noch Rau und Scheel ohne Studium. Doch dominieren die Juristen Heinemann, Carstens, Weizsäcker, Herzog und Wulff das Feld.

Gründe dafür könnten natürlich sein, dass man in der Politik Gesetze gestalten muss, aber auch die Sprache der politischen Klasse könnte ausschlaggebend sein. Wer in einer Partei nach oben will, muss sprechen wie „die da oben“. Reden wie Donald Trump hilft bei keiner Parteikarriere.

der richtige Studienort

Der Studienort ist vollkommen egal, wenngleich es einige wenige Auffälligkeiten gibt: Schon seit jeher kommen Kanzler und Präsidenten des Bundes aus allen Ecken des Bundesgebietes. Das bedeutet natürlich, dass eine Uni-Stadt auch im Bundesgebiet liegen muss. Daher findet man unter die Mächtigen der deutschen Politik erst seit kurzem ostdeutsche Stationen in ihrer Vita. Gauck war in Rostock und Merkel, damals noch Kasner, in Leipzig an der Karl-Marx-Universität.

Die meisten Mächtigen in der Politik haben die Städte Frankfurt, München, Berlin, Bonn und Göttingen gesehen. Doch eine große Häufung gibt es hier nicht. Auffällig ist bloß, dass unter allen Bundespräsidenten und Bundeskanzlern nur wenige Namen im Ausland studiert hatten – was natürlich auch daran liegt, dass man mit Rechtswissenschaften geographisch beschränkt ist.

Also: egal wo – hauptsache Jura!

Foto: Eigenkreation aus:

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  • Von Tungsten – photo taken by Tungsten, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=171641
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