Der Name „Philipp Batz“ oder „Mainländer“ ist selbst in seiner Heimatstadt Offenbach eher unbekannt, doch handelt es sich bei Philipp Mainländer um einen Philosophen, den man kennenlernen sollte. Bei ihm sind Philosophie und Lebensgeschichte beeindruckend eng verbunden. Die Geschichte von ihm und seiner Familie ist eine einzige Tragödie.

Philipp Mainländer wurde 1841 in Offenbach geboren und starb dort 1876. Geboren wurde er als „Philipp Batz“, zum Schreiben nutzte er allerdings das Pseudonym „Mainländer“ mit dem für ihn positiven Bezug zu seiner Heimatstadt. Der Familie gehörte eine Fabrik, sie lebten in guten Verhältnissen in einem eigenen Haus.

Sie bestand im engeren Sinne aus

  • der guten, liebenswürdigen Hausfrau und Mutter,
  • dem lebensfrohen Vater Georg Batz,
  • dem heiteren  ältesten Sohn Wilhelm,
  • dem temperamentvollen zweiten Sohn Daniel,
  • der stillen älteren Tochter Justine,
  • der lebensfrohen jüngeren Tochter Minna
  • und dem jüngsten und stillen Sohn Philipp.

Wilhelm war exzentrisch, sportlich und voller Lebenslust. Justine war eine Zeit lang in England Erzieherin und gründete in Offenbach ein Damen-Pensionat/Institut. Daniel war der lebensfrohe und ansehnliche Liebling der Familie und wird als „Schwerenöter“ beschrieben. Minna war die heitere und hochbegabte und hübsche Tochter.

Philipp dagegen war grübelnde Philosoph in der Familie, der meist in seinem Zimmer war und schrieb. Während die meisten Familienmitglieder ihn spöttisch „Philosoph“ nannten, hatte der schmächtige Philipp in Minna eine Schwester, die ihn verstand und zu der er eine gute Beziehung hatte. Im Gegensatz zu den meisten Geschwistern war er der stille Sonderling.

Die in Offenbach gut situierte Familie Batz erlitt aber rasch eine ganze Reihe von Niederschlägen: Aus unbekannten Gründen beging der Liebling der Familie, Daniel, Selbstmord. Dadurch war die Mutter mit einem Schlag für den Rest ihres Lebens unglücklich und in tiefer Trauer. Sie starb 1865. Auch verließ den Vater alles unternehmerische Glück. Er musste seine Fabrik verkaufen. Mit der ersten Brotfabrik Offenbachs hatte er keinen Erfolg, auch nicht mit dem Versuch, durch den Handel mit Kartoffeln Geld zu verdienen. Schließlich musste Georg Batz zu seiner Tochter Justine ziehen. Minna ging auch für einige Zeit nach England, um die Sprache zu lernen und später zu unterrichten. Zurück in Offenbach arbeitete sie bei ihrer Schwester im Institut und motivierte ihren Bruder Philipp immer wieder zum Schreiben.

Wenige Monate vor dem Tod Schopenhauers 1860  gelangte Mainländer an Schopenhauers „Welt als Wille und Vorstellung“. Davon wurde Mainländer stark beeinflusst. Schopenhauer floss mit ein in Mainländers „Philosophie der Erlösung“ in zwei Bänden: So wurde für Mainländer das Leben zu einem Übel. Zu leben war für ihn nun schlechter als nicht zu leben. Die Erlösung finden Menschen nach Mainländer durch den Kommunismus, die Keuschheit und den Suizid.

Nachdem Philipp Batz nach intensiver Arbeit an seinem großen Werk „Philosophie der Erlösung“ es unter dem Pseudonym „Mainländer“ 1876 endlich veröffentlicht hatte und nun frei gewesen wäre, endlich etwas mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, brachte auch er sich um. Kurz zuvor hatte sich die Familie noch über einen Erfolg für ihn und die ganze Familie gefreut, doch wenig später war damit auch diese kleine Freude dahin. Für ihn hatte es keinen objektiven Sinn mehr im Leben gegeben. Sein Werk war getan. Ursprünglich wollte er noch politisch aktiv werden, für das gutes Ziel, der leidenden Menschheit zu helfen, doch wollte seine Schwester Minna dies nicht. Für den selbstlosen Mainländer war damit sein Zweck getan, und er konnte Ruhe und Frieden finden – aus logisch-rationalen Gründen.

Nach diesem zweiten Suizid eines seiner Kinder, war nun auch der Vater am Boden zerstört, geistig und körperlich. Und Minna, die Philipp am nächsten von allen stand, wurde hart getroffen. Doch noch immer stand sie zu ihrem Bruder und verteidigte ihn. Sie zerstritt sich nun mit ihrer Schwester und ihrem Vater. Sie lebte noch einige Jahre einsam in Frankfurt und brachte sich schließlich auch um. Weder von der tragischen Familiengeschichte, noch von der Philosophie Mainländers wissen heute viele Menschen.

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Literatur: Schopenhauer-Jahrbuch 1944 S. 8 ff.

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