Kausalität bedeutet, dass eine Wirkung notwendig eine Ursache hat. Ein Zustand oder Prozess A verursacht einen Zustand oder Prozess B mit Notwendigkeit. Dabei ist es auch möglich, dass eine Wirkung mehrere Ursachen hat, oder eine Ursache mehrere Wirkungen hat. So sagt man, dass jede Veränderung eine Ursache hat. Woher stammt allerdings das Wissen über die Kausalität? Oder: Was können wir über die Kausalität wissen?

Empirische Annäherung an die Kausalität

David Hume war ein Empirist. Als solcher behauptete er im Kern, dass Wissen aus der Erfahrung kommt. Hume unterschied zwischen zwei Arten von Begründungen: „Beweise mit Begriffen“ und „Begründungen von Tatsachen und Dasein“. Die ersteren sind nicht erfahrbar, sie gehören zu einem logisch konsistenten System von Aussagen und Begriffen. Dazu gehört das bekannte Beispiel vom Junggesellen: Dieser ist begrifflich notwendig männlich und unverheiratet. Ohne Erfahrung kann gesagt werden (gerechtfertigt werden), dass ein Junggeselle nicht verheiratet ist. Es braucht die Erfahrung nicht. Man muss nicht Junggesellen befragen.

Zu der zweiten Art von Begründungen gehören die sogenannten Erfahrungsbeweise: Dabei schließt man von früheren Erfahrungen auf künftige und bildet so Erwartungen. Durch begriffliche Folgerungen oder a priori-Beweise kann nicht bewiesen werden, dass in der kalten Jahreszeit Schnee fällt und dass Bäume im Dezember kahl werden und im Frühling blühen. Auf dieses Wissen kommt man nur durch Erfahrung.

Für Wissen über die Kausalität gilt, was über die Erfahrungsbeweise gesagt ist: Das Kommende wird mit dem Vergangenem verglichen. Von ähnlichen Ursachen erwartet man ähnliche Folgen. Doch notwendig bewiesen ist durch Induktion nichts. Man schließt von Einzelfällen auf eine generelle Regel. Das funktioniert meistens, aber nicht immer, da alle Fälle überprüft werden müssten. Wie auch Kant meinte Hume, dass Menschen eine objektive Beziehung zwischen zwei Ereignissen oder Fakten namens „Kausalität“ konstruieren. Doch diese setzt Notwendigkeit und Allgemeinheit voraus, um immer zu gelten. Notwendigkeit kann man nicht beobachten und auch aus den Ereignissen folgt sie nicht notwendig. Wenn wir auf Kausalität zwischen Ereignissen schließen, abstrahieren wir bloß von Einzelfälle und haben bestenfalls plausible Erklärungen.

Für den Alltag dürfte es natürlich egal sein, dass die Kausalität bloß angenommen wird. Das ist nämlich sinnvoll. Wie Hume selbst sagt: „Es ist Thatsache, dass die unwissendsten und dümmsten Bauern, ja die Kinder, ja selbst die unvernünftigen Thiere durch Erfahrung klüger werden und die Eigenschaften der natürlichen Dinge durch Beobachtung ihrer Wirkungen kennen lernen. Wenn ein Kind den Schmerz aus der Berührung eines brennenden Lichtes gefühlt hat, so wird es sorgfältig seine Hände von der Flamme fern halten, denn es erwartet die gleiche Wirkung von einer Ursache mit gleichen Eigenschaften und Aeusserem.“

Artikelbild: selbst erstellt, affenspass.de, CC BY 3.0 DE
Literatur: Hume, David: Untersuchung in Betreff des menschlichen Verstandes. IV. Skeptische Zweifel in Betreff der Thätigkeiten des Verstandes. Abschnitt I. (http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hume,+David/Untersuchung+in+Betreff+des+menschlichen+Verstandes/IV.+Skeptische+Zweifel+in+Betreff+der+Th%C3%A4tigkeiten+des+Verstandes/Abschnitt+I (auch Abschnitt II))

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