Bei den US-Vorwahlen hört man aus den Reihen der Republikaner immer wieder, wie unsinnig die Evolutionstheorie ist. Nahezu alle Bewerber der „Grand old Party“ geben nach außen den Kreationisten, also einen Evolutionsverneiner – damit man für den gemeinen Republikaner wählbar ist. Doch auch außerhalb der USA gibt es viele Irrtümer über die Evolutionstheorie – angefangen beim Namen.

Eine „bloße“ Theorie?!

Die sogenannte Evolutions-Theorie wird in den meisten westlichen Staaten kaum noch angezweifelt. Es geht soweit, dass der Evolutionsbiologe Richard Dawkins sogar meint, dass man das „Theorie“ streichen könne, da es in nicht-wissenschaftlichen Kreisen bloß für Verwirrungen sorge. Ähnlich wie bei der Gravitation darf man bei der Evolution von der Richtigkeit ausgehen. Dass man in wissenschaftlichen Kreisen in beiden Fällen von Theorien sprechen muss, hängt eben damit zusammen, dass es zu unserem Verständnis und zu unserer Definition von Wissenschaft gehört, niemals von endgültigen Wahrheiten auszugehen.

Wer ändert sich in der Evolution?

Es gab noch vor Darwin die Annahme, dass sich Organismen ändern und diese veränderten Eigenschaften dann an ihre Kinder weitergeben. Spätestens seit Richard Dawkins Buch „The selfish gene“ geht man von einer Evolution auf der Ebene der Gene aus. Die Hälse der Giraffen wurden nicht etwa immer länger, weil sich einige Giraffenindividuen immerzu strecken mussten, um an Blätter zu kommen, sondern es viel den Giraffen einfacher, die schon größer waren. Diese hatten größere Chancen, genug zu essen, und damit auch größere Chancen, „ihre“ Gene in die nächste Generation zu bringen. Ursachen für Veränderungen im Laufe der Generationen sind hauptsächlich zufällige Mutationen und die unterschiedlichen Überlebenschancen der Träger dieser Gene.

Wer ist der Gewinner in der Evolution?

„Survival of the fittest“ bedeutet nicht, dass eine maximale Stärke oder „Fitness“ die Überlebenschancen maximiert. Es bedeutet viel mehr, dass die „gewinnen“, die am besten angepasst sind. Sollte es irgendwann keine Seen oder Meere mehr geben, dann wären Fische als Wasserlebewesen schlecht angepasst. Dagegen würde es den Amphibien etwas länger gut gehen, nur mit der Fortpflanzung wäre es dann ein Problem, da sich Lurche nur im Wasser fortpflanzen können. „Gut angepasst“ bedeutet in einer wasserarmen Region eben, dass sich ein Lebewesen auf ein wasserarmes Leben einrichten kann, und vielleicht sparsamer ist, mehr Wasser speichern kann oder einfach sehr wenig benötigt: Kakteen, Dromedare (einhöckrige Kamele) oder Skorpione …

Wie man bei den Fröschen sieht, ist das Überleben nicht alles: Ohne die Möglichkeit der Fortpflanzung ist auch die Spezies „Frosch“ kein Gewinner.

Evolution bedeutet Egoismus

Dieser große Irrtum steckt zum Teil auch in den Köpfen einiger Menschen, weil sie Dawkins missverstehen. Er spricht vom „selfish gene“, dem egoistischen Gen. Damit ist keinesfalls ein egoistisches Lebewesen gemeint, auch wenn das eine Folge sein kann. Für Gene macht es unter Umständen sogar Sinn, wenn ihr Träger, der Organismus stirbt, wenn dafür ein anderes Lebewesen mit gleichen Genen überlebt. Das steckt hinter dem Wort „Altruistischer Egoismus“. Es gibt in diesen Fällen einen Egoismus, nämlich den auf der Ebene der Gene. Und es gibt den Altruismus, nämlich den auf der Ebene der Lebewesen. Das findet man beispielsweise bei dem Umgang mit verwandten Kindern:

  • Eher würde sich eine Mutter für das eigene Kind opfern als für ein fremdes. Damit schützt die Mutter (unbewusst) die eigenen Gene (50% der eigenen Gene).
  • Eher würde sich eine Mutter fürs eigene Kind opfern als der Vater. Der Vater mag zwar theoretisch genauso verwandt sein mit dem Kind, jedoch hat er mehr Unsicherheit als die Mutter in Bezug auf die Vaterschaft.
  • Eher würde sich eine Tante für die Nichte opfern als für den Enkel des eigenen Onkels. Je verwandter die Träger der Gene sind, desto wahrscheinlicher ist das Überleben der Gene, wenn der Träger überlebt.

Warum ist das so? Je eher die Träger von Genen verwandt sind, desto eher schützen sich diese Menschen gegenseitig. Der Grund dafür ist das Überleben der Gene. Gene, die dieses Verhalten fördern, fördern ihre eigene Existenz. Damit ist auch klar, warum Mutter und Kind einander näher sind als Mensch und Onkel oder Mensch und Stamm oder Mensch und Volk und Mensch und Fremder …

Es gibt keinen Willen

Im Zusammenhand mit der Evolution liest man oft – auch in diesem Text – Worte wie diese: „Die Evolution fördert“, „es macht für dieses Gen Sinn“ oder „es macht es, um sein Überleben zu sichern“. Die Evolution hat kein Bewusstsein. Es geschieht einfach – rein mathematisch-naturwissenschaftlich. Wenn es ein Gen gibt, dass seinen Träger Eigenschaften ausbilden lässt, die ihm schwimmen helfen, dann hilft dieses Gen faktisch beim Überleben seiner selbst in einer wasserreichen Umgebung. Wenn es ein Gen gibt, dass seinen Träger emotional seinen Nachkommen verbunden sein lässt, dann hilft es dem Überleben seiner Träger der nächsten Generation, da der aktuelle Träger dieses Gens mit der Fortpflanzung den „Zweck“ im Sinne der Evolution erfüllt hat: Es hat überlebt bis zum Weitergeben der Erbinformationen. Doch all dies geschieht ohne bewussten WIllen.

Richard Dawkins über die Republikaner im Vorwahlkampf

Hier dazu der Evolutionsbiologe Richard Dawkins:

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