In den Augen der meisten Menschen ist „Marxismus“ bloß ein Begriff in der Ökonomie oder in der Philosophie. Marx war eben ein Ökonom und Philosoph. Doch Marxismus ist heute mehr. Es geht hier darum, zu erklären, warum sich manche Stadtviertel so entwickeln, dass die Bevölkerung „ausgewechselt wird“, wie man es in verschiedenen Beispielen sieht: Nünberg Gostenhof, Berlin-Friedrichshain, Berlin Schöneberg, Berlin Kreuzberg, Frankfurt Bahnhofsviertel, Hamburger Schanzenviertel, City of London, New York City – Bronx, …

Das Problem

Unattraktive Viertel haben in der Regel sehr niedrige Mieten. Dadurch können sich Künstler, Studenten und finanziell schlechter gestellte Gruppen dort Wohnraum leisten. Diese Gruppen sind kulturell aktiv und beleben solche Viertel. Dieses Viertel wird attraktiv, auch für andere Menschen. Dann passieren zwei Dinge:

  • Wohnraum wird saniert, wenn die Aussicht auf Mietsteigerungen und auf eine entsprechend hohe Nachfrage da ist.
  • Aus armen Künstlern können erfolgreiche Künstler werden und aus Studenten werden irgendwann Gutverdiener. Die Ansprüche und finanziellen Mittel steigen bei diesen Menschen.

Die Nachfrage steigt, das Viertel ist nun begehrter. Dies hat in diesem Wirtschaftssystem zur Folge, dass die Preise steigen. Die Mieten steigen also.

Für alle Künstler, die unerfolgreich bleiben, bedeutet dies, dass sie die vielen Mieterhöhungen nicht mehr mitmachen können. Sie müssen irgendwann heraus aus ihrem Viertel. Auch Migrantenfamilien, die früher ebenfalls von den günsten Mietpreisen angezogen wurden, müssen das Viertel verlassen. Genauso geht es den neuen Studenten, die noch von Nebenjobs oder BAföG leben müssen.

Die Bevölkerung wird ausgetauscht, sofern die vorhandene Bevölkerung sich nicht (finanziell) geändert hat.

Was wird kritisiert?

Die ökonomischen Interessen werden kritisiert. Investoren wollen Geld verdienen und dafür investieren sie immer so wenig wie möglich und versuchen, das Maximum an Ertrag herauszuholen.

Wenn ein Investor erst einmal eine Immobilie errichtet oder saniert hat, dann will er möglich lange möglichst viel Geld mit dem Objekt verdienen. Das bedeutet zweierlei: kein Geld mehr hineinstecken und  viel Miete kassieren. Nur so maximiert man die Rendite.

Die Folge davon ist, dass das Objekt einen immer schlechteren Zustand hat. Während es noch attraktiv und hochwertig war, als Geld hineingesteckt wurde, ist es nach Jahren heruntergekommen und unattraktiv. Vermieter erhalten das Objekt bloß noch mit dem Nötigsten.

Wohlhabende Bevölkerungsgruppen zieht es nicht mehr in das Viertel. Doch der maximal erzielbare Mietpreis sinkt und sinkt und sinkt … und damit kommen andere Gruppen in den „Genuss“ der einst attraktiven und hochwertigen Immobilien (als Mieter selbstverständlich).

Wenn durch diese neuen Bewohner, wie Künstler, Studenten etc. das Viertel langsam wieder attraktiv wird, wird es interessanter für alle – auch für Investoren. Dann folgen Luxussanierungen und alles beginnt von vorne.

Es regiert das Geld – nicht der Mieter.


Foto selbst erstellt aus folgenden Quellen:

  • ein Foto von https://unsplash.com/rvcmedia
  • und eine Grafik von Russia – Coat of arms of the Soviet Union 1923–1936.svg and various flags, including those at Hammer and sickle#Flags, Gemeinfrei

Es wird gemeinfrei bereitgestellt.

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