Kann man Sprachen bewusst planen? Kann man den Wortschatz, die Orthographie und die Grammatik lenken? Und vor allem: Warum sollte man das wollen?

Was ist Sprachplanung?

Unter Sprachplanung oder Sprachnormierung versteht man den Versuch, Schrift, Syntax, Morphologie, Wortschatz, Stile usw. zu normieren oder zu planen. Dazu kann unter Sprachplanung verstanden werden, wie eine Sprache verwendet werden soll, bzw. welcher Status einer Sprache zukommen soll: Wo soll sie wie verwendet werden?

Doch zur Sprachplanung gehört eben auch der Schutz vor anderen Sprachen. Zum Beispiel ist man in Frankreich sehr darauf bedacht, Anglizismen zu vermeiden, und adäquate französische Begriffe zu finden.

Gründe für Sprachplanung sind neben dem Schutz vor anderen Sprachen allerdings meistens eher politische: Modernisierung, Nationalismus und Bildung.

Beobachten kann oder konnte man solche Versuche in China, im Nahen Osten, in Frankreich und in vielen anderen Ländern. In gewisser Weise auch in Deutschland (Rechtschreibreform etc.).

Gibt es Erfolge bei der Sprachplanung?

Naher Osten

Erfolgreich sind derlei Versuche nicht immer. Im Nahen Osten, wo man im 19. und 20. Jahrhundert eine ähnliche Situation wie im feudalen Europa hatte, wurde mit großem Aufwand versucht, die Sprache zu lenken und zu planen. Es wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts Sprachakademien gegründet, die die türkische Sprache der Macht (Herrscher, Verwaltung) zurückdrängen sollte, und das auf die Religion und das Private beschränkte Arabisch in den Vordergrund bringen sollte. Damit war die Emanzipation von der Herrschaft der Osmanen angestrebt.

Zu den Aufgaben gehörte auch die Übersetzung europäischer Werke ins Arabische, darunter Fachbücher, aber auch Belletristik. Damit sollte Wissen importiert werden und der Nutzen des Arabischen gesteigert werden. Zu dieser Zeit wurden Übersetzerschulen eröffnet, da bloße Fremdsprachenkenntnisse ausgereicht hatten. Besonders wichtig war für die Akademien allerdings das Übertragen und Anpassen von türkischen Begriffen ins Arabische.

Doch während es einige wenige Erfolge gab, zeigte sich, dass Sprachen nicht bloß Kunstprodukte aus Elfenbeintürmen sein können, sondern tatsächlich angenommen werden müssen. Die vielen Vorschläge für neue arabische Wörter (für die neuen Entwicklungen), die es nur auf türkisch gab, waren im ganzen arabischen Sprachraum  unkoordiniert. Jede politische Einheit brachte eigene Vorschläge und die Akzeptanz wurde nicht überprüft.

Europa

Auch in hierzulande begegnet man der Sprachplanung: Die Rechtschreibreform mag in Deutschland nicht überall gut angekommen sein, doch durchgesetzt haben sich die neuen Schreibweisen – alleine schon durch den Unterricht. Zeitungen und Zeitschriften haben teilweise noch leicht davon abweichende Schreibweisen, jedoch findet man dort in der Regel auch kein „daß“ mehr.

Der größte sprachplanerische Erfolg ist mit Sicherheit die über 100 Jahre alte Kunstsprache Esperanto. Sie wurden vollständig geplant, baut auf europäischen Sprachen auf und hat sogar schon Muttersprachler.

Türkei

Die größte und härteste sprachliche Veränderung musste allerdings die Türkei erleben: unter  dem „Vater der Türken“, oder dem Vater der modernen Türkei, Kemal Atatürk. Die türkische Sprache war Anfang des 20. Jahrhunderts voll von persischen und arabischen Lehnwörtern und die Schrift war nur sehr schlecht geeignet für das Türkische. Die arabische Schrift musste ersetzt werden und viele neue Begriffe, auch ur-türkische, mussten gesucht werden. Innerhalb von wenigen Jahren verwandelte Atatürk die türkische Gesellschaft von einer religiösen, arabischen Gesellschaft in eine westliche und laizistische. Von den arabischen Zeichen entfernte man sich und nahm das Lateinische und modifizierte es ein wenig.

Die Erfolge der Türkei waren so beeindruckend, dass sich auch Reza Shah im heutigen Iran dafür interessierte.

Ist Sprachplanung gut?

Bei Sprachplanung handelt es sich um soziopolitische Experimente, dies ist keine exakte Wissenschaft. Meistens sind Versuche, Sprachen zu normieren oder zu planen, nicht von Linguisten erdacht worden, sondern von Politkern.

In dem dafür bekanntesten europäischen Land, Frankreich, findet man in einem Gesetz zur Sprachplanung von 1994, zunächst die Argumente dafür: Die französische Sprache sei ein nationales Kulturgut und ein geopolitsches Instrument. Ist eine Stärkung des Partiotismus gewünscht, so ist Sprachplanung, bzw. eben der Schutz der eigenen Sprache sinnvoll.

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